Backstein, Nebel, Regen & Meer


Alex & Eddy bei den Devil Horns, Dingle Peninsula

Eine Woche Irland mit dem Auto. Das war der Plan. Und so wurde es auch gemacht.

Alex, Eddy und Ich kennen uns mittlerweile seit knapp 4 Jahren und haben es in der Zeit nicht einmal geschafft zusammen zu verreisen. Daher war das eine Premiere für unsere Freundschaft, ob wir es eine Woche 24/7 zusammen aushalten würden.

Im Nachhinein kann gesagt werden: Kein Problem.

Nun denn: Die Flüge nach Dublin und zurück wurden gebucht, anschliessend ging es darum abzuklären was wir denn sehen wollen und wo wir schlafen.

Da das ganze Land für eine Woche viel zu groß ist, beschränkten wir uns auf alles unterhalb von Dublin und Galway.


Los ging es mit zwei Tagen Dublin. Wir landeten um etwa 12 Uhr am Airport Dublin und waren so gegen 14 Uhr in der Stadt. Dort checkten wir erst mal in unser Hostel in der Harrington Street ein. Es war einfach gehalten, aber wir hatten alles was wir brauchten. Ein Dreier-Zimmer mit eigenem Bad. Was will man mehr.

Als wir die Betten aufgeteilt hatten, packten wir direkt unsere Rucksäcke und Kameras und machten uns auf den Weg zum nächsten Store um uns mit Essen für das Wochenende einzudecken. Als wir merkten, dass die meisten Stores zu unserer Verwunderung auch Sonntags geöffnet haben, kauften wir nur für Samstag ein.

Was uns in und um Dublin auffiel war, dass Dublin z.B. im Vergleich zu London oder anderen Großstädten sehr wenige modern Gebäude und stattdessen eher alte Gebäude noch aus der Industrialisierung hat, die sich bis heute gehalten haben. Somit gibt es viele Backsteinfassaden in Dublin die das Bild der Stadt prägen. Wir persönlich fanden dieses Bild sehr schön und waren begeistert davon.

Nachdem wir etwas Essbares hatten, ging es los in die Stadt. Einen wirklichen Plan gab es nicht, wir streunten durch die Strassen, schauten wohin es uns zieht und wo es interessant aussah, und falls wir uns im Kreis drehten, schauten wir mal kurz auf die Karten, wo wir bisher noch nicht waren. So haben wir innerhalb von zwei Tagen gefühlt ganz Dublin gesehen. So groß ist die Stadt dann doch nicht wie sich zeigte.

Wir waren in Temple Bar, in der Gallery of Photography, in der National Gallery of Ireland, im Merrion Square, im Phoenix Park, am Liffey, bei den Docks, bei der Guinnes Brewery. In's IMMA (Irish Museum of Modern Art) haben wir es zeitlich leider nicht geschafft, standen wir doch davor, hatten aber eine lange Diskussion über einen gewissen Law Student sodass das Museum geschlossen war bevor wir drin waren.

Wie sich später herausstellen sollte, schafften wir es dann doch noch rein.

Nach zwei Tagen Dublin konnten wir mit gutem Gewissen sagen dass wir das Gefühl hatten genug gesehen zu haben sodass wir uns am nächsten Tag mit dem Auto auf nach Süden machen konnten.



Am Montag ging es dann auf zu Europcar Dublin, wo wir unser Auto abholten. Vor Ort hat sich das Ganze dann umständlicher erwiesen als erhofft, da die Mitarbeiterin meinte, sie müsse uns ein größeres, teureres Auto und eine teurere Versicherung aufschwatzen. Bisher hatten wir nur positive Erfahrungen mit Europcar gemacht, doch seit Dublin ist klar, dass es auch anders geht.

Nun denn, wir hatten unser Auto und los ging's. Ganz so einfach war's dann aber doch nicht, da in Irland ja Linksverkehr herrscht und Eddy (Er hat das Auto gemietet und war somit Fahrer) bisher nur rechts gefahren war. Er hat die Aufgabe aber super gemeistert, und kam sehr schnell rein. Die Tatsache dass ich die Navigation über das Handy übernahm und Alex genau sagte, welche Lane er nehmen musste und wo lang, hat es vermutlich vereinfacht.

Wir waren also unterwegs und auf dem Weg zu unserem ersten Stop nach Dublin:

Wicklow-Mountains-Nationalpark

Der Nationalpark war gefühlt durchzogen von Mooren. Wir waren kaum drin, da zog sich ein äußerst starker Nebelschleier über die komplette Gegend und wir hatten effektive 10m Sichtweite. Dementsprechend langsam kamen wir vorran. Dennoch war es wunderschön anzusehen, und wir machten einen kurzen Stopp um die Stimmung ganz aufzunehmen.

Als nächstes machten wir einen kurzen Abstecher nach Six Mile Point, an die Ostküste des Landes. Wir wollten an's Meer. Der Nebel wurde zwar lichter verschwand aber nicht komplett weshalb der Anblick nicht ganz so toll war, wie wir uns das vorgestellt hatten.

Der nächste Stopp war dann endlich Cork.

Die Stadt wurde uns empfohlen, stellte sich vor Ort aber leider sehr schnell als eher langweilig und auch sehr klein heraus, weshalb wir dort nicht lange verblieben und weiter nach Kinsale fuhren, wo ein Zimmer bei Dempseys Hostel gebucht war.

Die Fahrt an diesem Tag war sehr lange, und anstrengend weshalb wir in Kinsale eincheckten, unser Zimmer bezogen, kurz was kochten und noch ein mal kurz durch den Ort schlenderten dann aber recht bald schlafen gingen.


Am nächsten Tag ging es schon wieder weiter, da wir in jedem Ort außer dem letzten immer nur eine Nacht blieben. Von hier ging es weiter nach Dingle.

Wir entschieden uns dazu der Küste entlang zu fahren, da wir noch nicht viel vom Land gesehen hatten und hofften ein wenig an's Meer zu können. Bei Tralong haben wir dann Pause gemacht und unser Frühstück genossen.

Von da an ging es zunächst schleppend voran, da wir uns über kleine, enge Landstraßen nach Norden schlängelten, was uns irgendwann zuviel wurde.

Wir suchten den schnellsten Weg zur N22 bis nach Killarney und von dort weiter auf Nationalroads bis nach Dingle. Irgendwann auf dem Weg nach Killarney begann es heftig an zu regnen, jedoch passte es ganz gut zu der Stimmung des Landes, weshalb wir die gute Stimmung beibehielten und Killarney noch kurz in den lokalen National Park fuhren.



Weiter auf dem Weg nach Dingle machten wir spontan Stopp am Inch Beach, da wir auf der R561 direkt daran vorbei fuhren, das Wetter nicht all zu schlecht war (kein Regen) und wir somit die Chance nutzen. Ursprünglich wollten wir auf der gegenüberliegenden Seite des Castlemaine Harbour an den Rossbeich Beach, da dies aber ein Umweg gewesen wäre, entschieden wir uns dagegen. Der Inch Beach hat sich auf jeden Fall gelohnt, das Meer kam hier ungebremst an den Strand und schlug heftige Wellen. Dennoch herrschte eine gewisse Ruhe an diesem Ort, trotz des Windes und des Meers. Schwer zu beschreiben.



Da wir mittlerweile schon recht spät dran waren, beschlossen wir direkt nach Dingle durch zu fahren, einzuchecken und dann noch mal los zu gehen.

Die Fahrt gestaltete sich ruhig, die Straßen wurden breiter, die Landschaft weiter und allgemein herrschte hier eine ganz andere Stimmung als im Rest des bisherigen erlebten. Es war ruhig, trotz des Nebels und Regens. Wunderschön zum beobachten.

In Dingle angekommen, fuhren wir zum Rainbow Hostel, wo wir die Nacht blieben.

Als kleine Trivia: Das Hostel hat den süßesten Hund den man sich vorstellen kann.

Ein großer, schwarzer aber noch sehr junger Neufundländer namens Zeus.

Wir beschlossen ihn mitzunehmen, aber die Hosts hatten leider was dagegen.


Für den nächsten Tag waren wir uns nicht klar welche Route wir nehmen sollten.

Wir wollten bei gutem Wetter auf jeden Fall bei den Devil Horns vorbei, auch wenn diese entgegen der eigentlichen Richtung auf dem Weg nach Galway lagen. Allerdings war dies der eigentliche Grund, wieso wir das Hostel in Dingle gebucht hatten, weshalb es blöd wäre, dann doch nicht hinzufahren.

Danach gab es Option A, die Fähre bei Tarbert nach Poulnadaree zu nehmen, oder den längeren Weg über Limerick zu fahren.

Wie sich aber herausstellte brauchten wir mit der Fähre genau so lange, und mussten dafür zahlen. Somit entschieden wir uns für die Fahrt über Limerick.

In Limerick selbst waren wir gegen etwa 2 Uhr Nachmittags weshalb wir dort parkten, ein wenig die Stadt besichtigten und ein wenig was gegessen haben.

Nachdem Eddy seinen Kaffee hatte und ich meinen Chai-Latte ging es dann nördlich der Shannon weiter Richtung Nordwesten zur Küste und den Cliffs of Moher.

Uns war klar, dass die Cliffs of Moher eine der großen Attraktionen in Irland sind, weshalb ich den Wunsch hatte, die Cliffs von irgendwo zu sehen, wo vielleicht nicht jeder andere rumläuft. Als wir allerdings vor Ort waren wurde klar, die komplette Küste ist voller Touristen, und man wäre hier nie alleine. Somit parkten wir das Auto, und gaben uns den Menschen hin, die dasselbe Ziel wie wir hatten.

Mit 214m Höhe sind die Cliffs wirklich nicht zu unterschätzen und eine wahre Augenpracht. Trotz der vielen Touristen sind sie auf jeden Fall sehenswert.

Nachdem wir die Küste vom O'Brien's Tower bis zur Moher Fort Site Telepgraph Station und zurück gelaufen sind und wir fast 3h Cliffs waren, ging es weiter für die letzten paar Kilometer nach Galway.


In Galway angekommen waren wir auch schon wieder recht fertig vom Tag.

Zu den Devil Horns und an den Cliffs sind wir doch einige Kilometer gelaufen, und mehrere Stunden Autofahrt am Stück sind auch nicht immer ohne, weshalb wir uns noch kurz die Stadt anschauten, allerdings auch nicht lange bevor wir in's Bett gingen um ein wenig Schlaf zu kriegen.


Am nächsten Morgen ging es etwas später los als sonst. Wir starteten erst gegen halb 11 in Richtung Norden zum Connemara Nationalpark. Auf der Fahrt dorthin veränderte sich die Landschaft um uns herum abermals. Es wurde noch offener und weiter als auf der Dingle Peninsula und erinnerte fast schon an die USA oder Neuseeland. Sehr schön anzuschauen.

Im Nationalpark selbst war der Plan den Diamon Hill zu besteigen. Mit 442m Höhe ist die Besteigung keine wirkliche Wanderung, anstrengend war es dann doch. Der Name Diamond Hill ergibt sich wohl aus den weiß-silber-glänzenden Steinen, so haben wir uns das zumindest zusammengereimt. Vielleicht gab oder gibt es vor Ort auch tatsächlich Diamanten, jedoch haben wir keine Minen gesehen.

Wie auch immer, der Nationalpark und der Diamond Hill waren auf jeden Fall sehenswert. Trotz des wirklich heftigen Winds vor Ort.

Auf dem Rückweg nach Galway namen wir einen kleinen Umweg um die Sky Road entlang zu fahren. Diese führt von Clifden nach Kingstown und biete eine fantastische Sicht auf Drinagh und den Atlantik.

Zurück in Galway angekommen hatten wir noch recht früh am Abend, weshalb wir uns noch mal auf den Weg in die Stadt machten um doch noch ein wenig mehr davon zu sehen, da am Abend zuvor nicht wirklich viel möglich war.

Als es dann doch später wurde genossen wir unsere letzte Nacht in einem richtigen Bett und gingen schlafen.


Freitag. Unser letzter Tag in Irland. Es galt zurück nach Dublin zu fahren um gegen 17 Uhr das Auto abzugeben. Da wir reichlich Zeit hatten, da die effektive Fahrtzeit maximal 3h betrug, ließen wir uns Zeit, waren noch mal einkaufen bevor wir uns auf den Weg machten. Zu Beginn wollten wir in Athlone beim Lough Ree Pause machen, da es direkt auf der Strecke lag. Nachdem wir aber merkten dass wir doch nicht so lange unterwegs sind wie wir dachten, sind wir bis Dublin durchgefahren um dort dann doch noch in's IMMA zu gehen, was wir ja zu Beginn des Urlaubs verplant hatten. Dieser Stop hat sich auf jeden Fall gelohnt. Museums of Modern Art lohnen sich immer. Anschließend gaben wir recht bald das Auto schon ab, und blieben noch für ein paar Stunden in Dublin, tranken ein, zwei Kaffees versuchten herauszufinden wieso der König Kaffee und Tee aber keinen Saft mag, wieso es in allen drei Stockwerken auf beiden Seiten Kameras gibt nicht aber schwarze Mützen (Wir haben ein paar Ratespiele gespielt).

Als auch das durch war, machten wir uns bereits gegen 20 Uhr auf den Weg zum Airport , was im Nachhinein so ziemlich die dümmste Idee war, die wir in dem ganzen Urlaub hatten. Und wir hatten viele dumme Ideen.

Da wir bereits gegen halb 9 am Airport waren, hatten wir nun 9h totzuschlagen bevor unser Flug ging. Zwar sollte es eine Rest-Zone nach dem Security-Check geben, da der Security-Check aber erst um halb 3 Uhr aufmacht, waren es immer noch 6h in denen wir nicht wirklich viel zu tun hatten, müde waren aber kein Bett hatten und der Boden wirklich nicht der bequemste war.

Immerhin ein paar Stunden konnten wir schlafen. Da die Zeit immer noch sehr schleppend verging, haben wir Verstecken gespielt. Das war vielleicht die beste Idee die wir an dem Abend hatten. Alle drei Stockwerke des Airport waren erlaubt. Vielleicht haben sich die Securities gefragt wieso wir immer so aussahen als würden wir nicht entdeckt werden wollen (was ja der Fall war), aber es hat schon echt Spaß gemacht.


Unsere Route durch Irland

Das war's also. Unsere Woche in Irland. Wir haben viel gesehen, haben viel erlebt, viel gelacht. Sehr viel gelacht. Und wir können sicher sein dass unsere Freundschaft eine Woche durchgängiges Aufeinanderhocken locker wegsteckt. Ich denke wir kennen uns besser als zuvor und auf jeden Fall bereit für den nächsten Trip. Der muss allerdings warten bis nächstes Jahr. Vorher wird sich sowas wohl nicht mehr umsetzen lassen.


Ich kann jedem das Land auf jeden Fall an's Herzen legen. Kein Ort ist wie der andere, und es gibt überall was zu sehen. Dublin ist eine wunderschöne Stadt, die trotz dessen dass sie Hauptstadt ist, eine Atmosphäre die eher einer Kleinstadt gleicht. Die Menschen sind wundervoll. Offen, Hilfsbereit, Freundlich, Verständnisvoll. Was mir am besten gefallen hat? Die Reise selbst. Kein Ort ist schöner als der andere, aber die Woche selbst war so viel wert, vor allem mit den 2 Menschen die ich mit dabei hatte. Jederzeit wieder!


Ich hoffe ich konnte euch ein wenig beleuchten wie unsere Woche verlaufen ist und was das Land bietet. Wenn ihr Fragen, Anregungen, Kritik oder sonstiges habt, haut es in die Kommentare, schreibt mir eine Mail oder kontaktiert mich auf eine andere Weise. Ich freu mich auf eure Nachrichten.


Für alle die noch ein paar Fotos sehen wollen, die findet ihr hier.


Bis dahin,

J

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